Neuntklässler besuchen das Amtsgericht Wunsiedel

Am 12. Juli 2016 besuchte der betriebswirtschaftliche Teil der Klasse 9D mehrere Gerichtsverhandlungen am Amtsgericht in Wunsiedel. Schon am frühen Morgen wuchs die Spannung unter den Schülerinnen und Schülern. Immerhin wusste noch keiner genau, um welche Art von Verhandlung es sich handeln wird. Diebstahl, Betrug oder vielleicht doch „nur“ ein Bußgeldverfahren? Die Spekulationen nahmen bis kurz vor Beginn kein Ende. Jedoch hieß es dann erst einmal, Taschen wegsperren und zur Personenkontrolle. Schließlich herrschen in einem Amtsgericht strikte Sicherheitskontrollen. Nachdem diese dann auch überwunden worden waren, nahmen die Schülerinnen und Schüler im Gerichtssaal Platz, um die bevorstehende Verhandlung genau zu beobachten.

Doch schon gleich zum Anfang gab es eine Überraschung. Vier Strafverteidiger waren anwesend, jedoch nicht einer der vier Angeklagten. Von diesen vieren ist niemand gekommen, weshalb auch ein sofortiger Haftbefehl ausgesprochen wurde. Somit war die erste Gerichtsverhandlung schnell vorbei und der Richter nahm sich extra Zeit, den Neuntklässlern die genauen Beweggründe für den Haftbefehl zu erläutern.

Die nächste Strafsache machte die Klasse von Beginn an neugierig, da der Angeklagte mit Fußfesseln in den Gerichtssaal hineingeleitet wurde.  Bei dieser gerichtlichen Untersuchung ging es um einen vermeintlichen Diebstahl einer Handtasche. Jedoch entschied der Richter, dass das Verfahren einzustellen sei, da sich die Zeugen in Widersprüche verwickelt hätten und die Beweislage nur äußerst schwammig wäre. Zusätzlich saß die beschuldigte Person in Untersuchungshaft wegen weitaus schwerwiegenderen Straftaten und verstieß somit auch schon gegen seine Bewährungsauflagen, weshalb dieser „kleine Diebstahl“ nur gering ins Gewicht fällt. So wird die aktuelle Bewährungsstrafe vermutlich im weiteren Verlauf eh aufgelöst und zu einer Freiheitsstrafe umgewandelt. Auch dieses Ende kam für die Neuntklässler relativ überraschend, weshalb sich auch hier der Richter ausgiebig Zeit nahm, um mit den Schülerinnen und Schülern den Verhandlungshergang nochmals zu besprechen. Hier konnten diese dann auch zeigen, dass sie schon im Wirtschafts- und Rechtunterricht den Strafprozess durchgenommen haben und Grundsätze wie „im Zweifel für den Angeklagten“ kein Neuland für sie sind.  

In der dritten und letzten Klagesache wurde Einspruch gegen eine Ordnungswidrigkeit erhoben. So wurden eine Geldstrafe und ein einmonatiges Fahrverbot aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung angeordnet. Jedoch hat der Betroffene Einspruch erhoben, da er als selbstständiger Vertreter auf sein Auto angewiesen ist und somit ein Fahrverbot ihn verhältnismäßig stark bestrafen würde. Der Richter befragte ausgiebig den Beamten, der für den Aufbau des „Blitzers“ verantwortlich war und ob bei der Messung in diesem Zusammenhang mögliche Fehler passiert sein können. Mehrfach musste der Kläger gemeinsam mit seinem Verteidiger den Gerichtssaal verlassen, um die weiteren Schritte, wie zum Beispiel den Antrag auf ein Gutachten bezüglich des Messgerätes, zu klären. Auch hier konnten die Schülerinnen und Schüler genau beobachten, wie eine Befragung funktioniert oder auch dass es durchaus Sinn macht, als Anwalt taktisch vorzugehen. Nachdem der Verteidiger sein Plädoyer gehalten hat, kam es dann im Beisein der Schüler zum ersten Mal zu einer Urteilsverkündung. Zunächst erhoben sich alle, dann wurde vom Richter das Fahrverbot außer Kraft gesetzt und im Gegenzug die Geldstrafe erhöht. Auch hier konnten die Neuntklässler anschließend mit dem Richter die Verhandlung erörtern und gezielt Fragen stellen.

Die faszinierende Atmosphäre einer Gerichtsverhandlung wie auch die Herren und Damen in ihren Roben hinterließen bei allen einen nachhaltigen Eindruck. Um 12 Uhr fuhr der Bus wieder in Richtung Schule ab. Dort wurden dann nochmals die Fälle genau besprochen und die Schülerinnen und Schüler konnten argumentieren, weshalb sie vielleicht anders geurteilt hätten oder auch warum sie es genauso gemacht hätten.

Die faszinierende Atmosphäre einer Gerichtsverhandlung wie auch die Herren und Damen in ihren Roben hinterließen bei allen einen nachhaltigen Eindruck. Um 12 Uhr fuhr der Bus wieder in Richtung Schule ab. Dort wurden dann nochmals die Fälle genau besprochen und die Schülerinnen und Schüler konnten argumentieren, weshalb sie vielleicht anders geurteilt hätten oder auch warum sie es genauso gemacht hätten.

J. Teckentrup

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